Freitag, 8. Januar 2016

Vom Veganer zum Jäger

Warum "Gemüsetaliban" und "Tierchenmörder" nicht so weit von einander entfernt sind, wie alle denken

 

Das Bewahren der Kitze vor einem grausamen Mähtod gehört zu unserem Job! 
Als aktive Jägerin und Internetbloggerin habe ich persönlich einfach ein großes Interesse daran, die Jagd nach außen zu vertreten. Oft veröffentliche ich einen neuen Blog-Artikel und werde angefeindet: „Wie kannst du nur Spaß am Tiere-Töten haben?“ „Wie kannst du nur behaupten, du würdest dich für Tiere interessieren? Du willst Sie doch nur Totschießen!“ „Frauen sollten sich erstmal überhaupt in der Jagd etablieren, bevor sie im Internet den Mund aufreißen!“
Und jedes mal nehme ich mir die Zeit, sachlich auf diese Fragen zu antworten.
Mein Freund fragt mich jedes mal, warum ich mir das überhaupt antue, wo doch 95% der Leute sich garnicht die Mühe machen, meine Gedanken und Antworten nachzuvollziehen.
Und genau da haben wir es: Nicht 100% der „Stänkerer“ klicken gleich weiter, einige 5 % verstehen es wirklich nicht. Wie auch? Wenn „Stadtmenschen“ nie mit der Jagd in Berührung kommen, woher sollen Sie dann auch wissen, dass wir nicht sinnlos durch den Wald rennen, alles „abknallen“, was sich bewegt, und das Fleisch einfach verludern lassen? Wer soll Ihnen das sagen, wenn nicht wir?
Wenn viele Jäger sich nicht die Mühe machen, zu erklären, was sie antreibt, oder nur patzig auf die Anfeindungen reagieren, wer soll dann den Leuten erklären, wie Jagd tatsächlich aussieht?
Wenn Jäger anfangen, Tierschützer als „Gemüsetaliban“ zu bezeichnen, wer soll dann den Leuten erklären, warum unser Fleisch deutlich mehr „Bio“ und tierschutzkonformer ist, als das Masthähnchen für 1,50 Euro?

Für mich liegen Veganismus und Jäger-sein nicht so weit auseinander.
Im Prinzip ist es doch so, dass es beiden darum geht, Tiere zu schützen, Naturschutzkonform zu leben und etwas für unsere Umwelt zu tun.
Zumindest ist das die Idee von beiden.
Ich will ehrlich sein: Mir ging es mit 15 Jahren ebenfalls so, ich wollte nicht, dass arme Rinder in dunklen Ställen gezüchtet werden, nur damit ich ein Stück Fleisch essen kann. Auch nicht, dass Masthähnchen sich gegenseitig die Augen auspicken, nur damit mein Hühnerfleisch in der Suppe oder im Hühnerfrikassee nur 1,50 Euro kostet. Da ist es naheliegend, das ersteinmal zu verteufeln, und zu sagen, man verzichtet darauf.
So kommt der Gedanke des Veganismus in den Köpfen der Menschen zu stande. Auch bei mir, denn auch ich habe mit 15 Jahren auf alle tierischen Produkte verzichtet. Aber wie wird man vom Veganer zum Jäger?!
Wer dann nicht weiter denkt, und idealistisch sich die niedlichen Äuglein jedes einzelnen Tieres anschauen möchte, der bleibt genau an diesem Punkt.
"Alle Jäger schießen aus Spaß sinnlos Hauskätzchen!"

Was aber, wenn man erkennt, dass es eine natürliche Ressource gibt, die es einem erlaubt, konntrolliert ultra-bio und natur- und tierschutzkonform Fleisch zu erhalten? Wenn man nun verfolgen könnte, dass die Tiere ein tolles Leben hatten, bis sie nahezu schmerzfrei für uns gestorben sind? Was, wenn damit gleichzeitig eine gesunde und naturnahe Waldwirtschaft unterstützen könnten, indem man Wildverbiss vermindert? Oder Wildunfälle mit Autos?
Und wenn die Leute, die das erkannt haben, nun auch noch anfangen, die Tiere, die sie schätzen, da sie sie nutzen können, zu pflegen, indem man Biotopschutz betreibt? Indem man Hecken für Niederwild pflanzt? Die Einstände und Dickungen durch Schilder vor Fußgängern und freilaufenden Hunden schützt, solange Brut- und Setzzeit ist?
Wer ehrlich und aufgeschlossen ist, und wer nicht sturköpfig denkt, das nur er den richtigen Weg kennt, wird einsehen, dass Jagd genau so daran interessiert ist, Tiere und Ökosysteme zu schützen, wie es Tierschützer sind.

Aber wie sollen alle Jagdgegner, denen es in den Grundsätzen um GENAU DAS GLEICHE geht, wie uns Jägern, denn wissen, was wir tun? Und das wir nicht gegeneinander sein müssen? Wir müssen es ihnen sagen und erklären, und dürfen uns nicht von den 95 % sturen Prozent abschrecken lassen, denn wenn wir nur 5% überzeugen können, werden von den 95%, die sich nicht darauf einlassen, das nächste mal wieder nurnoch 95% (also insgesamt nur 90,25%) übrig sein, die stur und idealistisch sind. Und so wird sich langsam aber stetig die Anzahl der Jagdgener verringern. Wie steht es so schön auf den Teebeutel-Zettelchen meines ( im übrigen veganen )Yogi-Tees? „Geduld zahlt sich aus“ und „Mit Ruhe und tiefem Durchatmen kommen Sie am besten zum Ziel“.

Eure Jana

Nicht so grimmig gucken wie diese Schneeeule: Einige Jagdgener wissen es einfach wirkich nicht besser!


Kommentare:

Andi hat gesagt…

Hallo Jana, schöner Beitrag und deckt sich ziemlich mit meiner Meinung. Sie wissen es zum Großteil einfach nicht besser und dann wir eben nachgeplappert was man mal gehört hat. Entsprechend wird noch sehr viel Aufklärungsarbeit nötig sein, aber wenn keinr damit anfängt wird es schließlich nie etwas ;)

Ich bin zwar noch kein Jäger, werde dieses Jahr aber meinen Schein machen und spiele mit dem Gedanken den Weg als Blog zu begleiten, um zu zeigen, was da wirklich passiert. Denn wenn die Jäger nicht mehr die unbekannten, seltsamen, grünen Gestalten im Wald sind, haben die Menschen einfach einen besseren Zugang zu dem was sie tun und vor allem, wehalb sie es tun.

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Einträge von dir.

Andi

Kai L. hat gesagt…

Hallo Jana,
Deinen Beitrag finde ich echt klasse. Nur eine Kleinigkeit. Ein Suppenhuhn hat nichts mit Masthähnchen zu tun. Suppenhühner sind Legehennen, die, wenn sie nicht mehr legen, geschlachtet werden. Masthähnchen legen keine Eier und setzen nur Fleisch an. Aber nochmal, dein Artikel ist echt klasse.������

Michelle S. hat gesagt…

Hallo Jana!
Ein super Beitrag! Großes Lob!

Ich finde mich selbst im Artikel wieder. Ich bin 21 Jahre alt und sozusagen gezwungener Maßen Vegetarier. Ich lehne Massentierhaltung und medikamentenverseuchtes und Essen ab! Meine eigenen Hühner kann ich hingegen mit gutem Gewissen essen!
Ich selbst träume davon, bald den Jagdschein zu machen und so im Einklang mit der Natur Nahrung zu beschaffen - und das ohne schlechtes Gewissen!

Mach weiter so und gehe als Vorbild voran!
Weiterhin Waidmannsheil!
Michelle S.