Freitag, 28. Oktober 2016

Im Sauerland auf Sauen

Hallo Ihr Lieben!

Mittlerweile ist wieder so viel passier bei mir, da kommt man kaum hinterher, Euch zu berichten! :)

Das Praktikum läuft super, und ich genieße es sehr, jeden Tag im Wald zu sein und viele spannende Dinge zu lernen und zu erleben. Auch dort stehen wir gerade kurz vor der diesjährigen Stöberjagd und ich bin natürlich schon wieder gespannt wie ein Flitzebogen!
Dazu aber mehr, sobald es soweit ist ;)

Denn meine erste Drückjagd dieses Jahr liegt nun schon ein paar Tage zurück, ich bin also schon in die Saison gestartet!

Den Auftakt machte bei mir eine als "Treibjagd auf Niederwild und Sauen" ausgeschriebene Jagd im schönen Sauerland. Normalerweise bin ich deutlich weiter östlich unterwegs, daher habe ich mich ganz besonders gefreut, nun einmal so nah an der Heimat eingeladen worden zu sein!

Also sagte ich freudig zu. Schnell hatte ich mir Jagdschrote besorgt und eine Flinte ausgeliehen und schon machte ich mich am Tag vor der Jagd auf den Weg in die Heimat. Ich war super aufgeregt, immerhin bin ich gar keine Flintenjägerin, sondern eher die Büchsenschützin...



Nach einer erholsamen Nacht bei meinen Eltern, ging es am nächsten Morgen früh los.
Nach einer entspannten Autofahrt mit meinem Vater (der übrigens kein Jäger ist!) kamen wir in dem wunderschönen Revier an. Bezaubernde Wiesen durchzogen den Nadelwald und meine Aufregung steigerte sich quasi ins unermessliche. Die ersten Hundeführer nahmen bereits Ihre Büchsen aus dem Auto und.... MOMENT!! Büchsen?! Naja, mh. Bestimmt nur die Hundeführer...

Mich beschlich ein ungutes Gefühl. Ein seeeehr ungutes Gefühl...

Aufgeregt ging ich zum Sammelplatz um meine Mitjäger zu begrüßen, nur um festzustellen, dass alle Leute Büchsen auf dem Rücken trugen.
LOCH IM BODEN, TU DICH AUF!!!

Da kann man nix machen, leider hatte ich nur die Flinte dabei. Verdammt, hätte ich doch noch mal nachgefragt!

Freigegeben wurden Rehwild und Fuchs, welche beide zum Niederwild zählen, sowie die bereits angekündigten Sauen. Hasen waren aufgrund de verfrühten Datums noch nicht frei, die wären erst zwei Tage später aufgegangen. Also stand ich da und schämte mich in Grund und Boden.
Leider hatte ich die Einladung wohl etwas fehlinterpretiert.

Die Situation verlor jedoch ein wenig an Tragik, als der ausgesprochen nette, junge Jagdleiter zu mir sagte, er hätte kurz die Stände umorganisiert.

So stand ich im ersten Treiben im Fichtenaltholz direkt am Fuchsbau, mit der Chance auf einen Schrotfuchs. Und für die Sauen hatte ich Flintenlaufgeschosse dabei. Also alles halb so wild!

Da ich nun geschnallt hatte, dass es hier eindeutig primär um die Sauen ging, lud ich FLG.
Lange Zeit geschah nichts. Doch dann sah ich im Gegenhang einen Fuchs laufen. Geradewegs spitz auf mich zu. Verdammt, noch FLG geladen! Gott sei dank hatte ich die Flinte auf, sodass ich die FLG schnell auf den moosigen Boden fallen ließ und zwei Schrotpatronen in die Flinte lud. Der Fuchs kam immer näher, und ein wenig in Hektik und Aufregung, schloss ich die Flinte.

Wohl ein bisschen zu schnell, denn es machte leise "KLICK".
Der Fuchs machte auf dem Absatz kehrt und verschwand hinter den Fichten.
Tja. Leider versaut.

Nicht lange danach wurde ich auch schon wieder abgeholt. Es gab eine deftige Kartoffelsuppe am Lagerfeuer, einen Kaffee und ein Stück Kuchen.

Dann ging es zum zweiten Treiben.

Hier war ich in einem Tälchen direkt an einem Bach und trockengelegtem Teich angestellt, mit wunderbarem Blick in den Gegenhang. Bereits beim Angehen machten zwei Rehe am Bach weg und ich freute mich aufs zweite Treiben, welches mir viel Anblick bescherte.
Einige Rehe, eine Sau in der Ferne und einen Hasen habe ich gesehen.

Auch die Strecke war an diesem (trotz falscher Waffe) wunderschönen Jagdtag beeindruckend:

5 Rehe, 3 Füchse, 6 Junge Sauen und ein Keiler mit über 100kg hatten wir beim heiligen Hubertus zu bedanken. Bei Schwedenfeuern wurden zunächst die Brüche überreicht bevor es in die wunderschöne Jagdhütte zum Schüsseltreiben ging.
Ich wollte noch schnell meine Flinte ins Auto bringen, als man mir sagte: "Nein, nein, nehmen Sie die ruhig mit rein!"
Etwas widerwillig dachte ich, ich sollte die geliehene Flinte nun eventuell an den Garderobenhaken hängen... doch es gab extra organisierte Gewehrständer! Beeindruckt von der schönen Jagdhütte nahm ich Platz und genoss das gereichte Wildgulasch.

Mit einigen dreifachen Horridos klang der Jagdtag nun aus.
Ein wunderschöner Jagdtag, der wirklich nur hätte schöner sein können, wenn ich das richtige Gewehr mit gehabt hätte :D

Nichts desto trotz wurde ich bereits erneut dort eingeladen und freue mich schon wie ein kleines Kind auf die nächste Jagd dort... diesmal selbstverständlich mit der Büchse!



Kurze Anmerkung: 
Ja, auch mir passieren solche Sachen. Eigentlich sogar ganz besonders mir, denn ich bin oft ein bisschen tollpatschig und verplant. 
Wer jetzt blöde Kommentare schreiben möchte, bitte, nur zu. Die habe ich mir durch diese Geschichte bestimmt verdient, und ich werde sie mit Humor nehmen! 
Aber ich wollte euch die Geschichte hier trotzdem gerne erzählen. Denn immerhin geht es in diesem Blog wirklich darum, mein Leben als Jungjägerin darzustellen. Und da gehört sowas wohl auch dazu. :P 

Kommentare:

mpinky72 hat gesagt…

Hallo,

eine schöne Geschichte zu einem schönen Erlebnis.
Zu DDR Zeiten gab es Büchsen nur für die Nomenklatura und die Jäger konnten sich höchstens Flinten für 36-72h ausleihen. Ergo wurde alles mit der Flinte (Schwarz- und Rehwild mit Brenneke) gejagt und die Strecken meines Vaters waren sicher nicht schlecht.
Also warst Du theoretisch nicht mal falsch ausgerüstet ... :-)

lg. Mario

mpinky72 hat gesagt…

Hallo,

eine schöne Geschichte zu einem schönen Erlebnis.
Zu DDR Zeiten gab es Büchsen nur für die Nomenklatura und die Jäger konnten sich höchstens Flinten für 36-72h ausleihen. Ergo wurde alles mit der Flinte (Schwarz- und Rehwild mit Brenneke) gejagt und die Strecken meines Vaters waren sicher nicht schlecht.
Also warst Du theoretisch nicht mal falsch ausgerüstet ... :-)

lg. Mario

Ben Graham hat gesagt…

Lesenswerter Blogpost. Bei der Ansitz- und Drückjagd auf Sauen denke ich, zugegebenermaßen, immer bereits an die spätere Verwertung in Form einer wohlschmeckenden Wildwurst:D
LG